
Im Rahmen der Österreichischen Pastoraltagung wurde in einem Workshop der Mediennutzung Jugendlicher nachgegangen. Was braucht die Jugendpastoral, wenn Social Media in der Lebenswelt Jugendlicher allgegenwärtig ist?
Die empirischen Daten sind eindeutig: Jugendliche könnten sich ein Leben ohne Handy und Internet nicht mehr vorstellen. Social Media schafft Konkektivität, ist verlängerter Teil der Körperlichkeit. Eine Jugendpastoral, die in der Lebenswelt der jungen Menschen präsent sein will, muss sich darauf einstellen, einlassen, sich in die medial vermittelte Kommunikation inkulturieren.
Dabei gibt es keine fix fertigen Antworten, sondern diese entwickeln sich dort, wo Social Media als Lernfeld für die Kirche aktiv wahrgenommen wird. Dazu zu ermutigen, dass war mein Ziel im Workshop und aus den Rückmeldungen sehe ich, dass mir das schon gelungen ist - auch wenn für die Komplexität des Themas und die unterschiedlichen Wissenstände der TeilnehmerInnen 1 1/2 Stunden Workshop eigentlich viel zu wenig sind, auch wenn manche Themenaspekte auch in Vorträgen auf der Österreichischen Pastoraltagung schon angesprochen wurden.
Ein Teilnehmer meinte im Gespräch nach dem Workshop, es ist einfach keine Frage mehr, ob Jugendpastoral das tut, sondern vielmehr eine Frage des Wie. Diese Sichtweise war für viele TeilnehmerInnen genauso klar und doch war, weil die TeilnehmerInnen in den beiden Workshops bunt gemixt waren, spürbar, dass es viele in der Pastoral aktive Menschen gibt, bei denen diese Tatsache noch nicht angekommen ist.
Wie meist in Social Media Workshops würde auch viel über problematische Aspekte wie Datenschutz diskutiert. Ein wichtiger Ansatz damit umzugehen sind meiner Meinung nach partizipativ angelegte Medienprojekte, die junge Menschen bei einem verantwortlichen und selbstbestimmten Umgang mit Social Media begleiten. In der Jugendarbeit tätigen pastoralen MitarbeiterInnen kommt dabei eine besondere Verantwortung zu, denn sie sind auch Vorbild in der Mediennutzung und das konkrete Gesicht der Kirche für die Jugendlichen. Nicht nur auf Facebook gibt es schöne Beispiele, wo das gelingt. Doch in der Breite der kirchlichen Jugendarbeit gibt es da noch viel zu tun.
Das erste Mal habe ich Foursquare in einen Workshop eingebaut (Erklärung auf Wikipedia, wie das funktioniert). Nicht, weil ich meine, dass müssten jetzt unbedingt alle auch machen, sondern um deutlich zu machen, dass es da im Social Web viel mehr gibt als den meisten bekannt ist. Da checken junge Leute auch bei kirchlichen Locations ein und machen so ein Stück weit öffentlich, was ihnen wichtig ist. Bisher vermutlich noch ziemlich unbemerkt von der Kirche, kommunizieren da Menschen über die Kirche. Für mich ist es ein gutes Beispiel dafür, dass Kommunikation über Religion und Kirche sowieso im Alltag von Jugendlichen stattfindet.
Die Kunst der Jugendpastoral ist es, die vielen Anknüpfungspunkte aufzugreifen und Jugendliche zu bestärken, aktiv zu sein. Für mich ist klar, dass eine Jugendpastoral 2.0 ganz stark davon lebt, dass Jugendliche selbst als BotschafterInnen medial aktiv sind. So habe ich auch wieder meinen fast schon obligtorischen und simplen Tipp für lebendigere und interaktivere Facebook-Seiten von Jugendzentren und -gruppen angebraucht: Macht die Jugendlichen, die sowieso dort aktiv sind, doch zu AdministratorInnen der Seite. Dann werden sie die Seite zu ihrer Sache machen und wer Verantwortung kriegt, nimmt das auch verantwortlich wahr. Und wenn die Pfarre die Aktivitäten der Jugendgruppe als Teil der Pfarre versteht, dann wäre doch eigentlich ein Link von der Pfarrhomepage zu eben dieser Seite der Jugendlichen auf Facebook oder sonstwo ein logischer erster Schritt. Auch sehr simpel, aber selten wo zu sehen.
Die Slides zum Workshop sind etwas umfangreicher als das, was wirklich besprochen wurde. Am Ende finden sich auch einige weiterführende Tipps. Wie dieser Bericht über die Pastoraltagung zeigt, war Social Media sehr oft Thema auf dieser gut besuchten Veranstaltung.
Was meinst du? Wie kommen wir dazu, mehr über das Wie und weniger über das Ob von Social Media in der Jugendpastoral zu reden?
Welche Aspekte interessieren dich besonders und sollten vielleicht in einem weiteren Blogeintrag hier vertieft werden?
Gute Anregung mit den Jugendlichen einbinden.