"Talita kum - steh auf" - Bericht vom Facebook-Gottesdienst im "Trinity" Bochum

Facebook Gottesdienst
3 Juli, 2012 - 17:11

Ein „spirituelles Experiment“ fand am 01. Juli 2012 in Bochum statt. Im Jugendpastoralen Zentrum „Trinity“ wurde der erste Facebook-Gottesdienst des Bistums Essen durchgeführt. Rund 100 Jugendliche nahmen in der St. Ludgerus-Kirche an der interaktiven Jugendmesse teil, bei dem die jungen Katholiken die Möglichkeit hatten, über das soziale Netzwerk mit dem blauen F als Logo die Predigt und Fürbitten aktiv mitzugestalten. Und der Versuch gelang: Religion und Social Media passen zusammen.

Im Rahmen des „Experimentes“ stand neben dem Altar eine Leinwand, auf dem während der ganzen Jugendmesse die Website des sozialen Netzwerkes Facebook zu sehen war. Vor, während und nach dem Gottesdienst hatten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit, über Kommentare und Fotos aktiv daran mitzuwirken. So wagten Kaplan Stephan Markgraf und Kaplan Kai Reinhold eine „interaktive Predigt“, indem sie auf Anmerkungen und Kommentare der jungen Gottesdienstbesucher auf der Facebook-Seite direkt und spontan („on the fly“) eingingen. So kam es zu einer Interaktion, die via Web auf für „Daheimgebliebene“ oder „Nicht-Kirchgänger“ verfügbar war. Die räumlichen Grenzen des Gottesdienstraumes verschwanden dabei. Zudem konnten entweder via Eintrag auf der Facebook-Seite oder auf einem digitalen Tablet, welches durch die Kirche gereicht wurde, Fürbitten interaktiv in den Gottesdienst eingebracht werden.

Jessica Klama und Jürgen Richter, Messdiener aus der Gemeinde Hl. Geist, bewerten das „Experiment anschließend als „gelungen“. Der Facebook-Gottesdienst sei eine gute Form, da jeder die Möglichkeit habe sich aktiv einzubringen, „gerade auch die, die sonst nicht viel sagen“. Die beiden jungen Erwachsenen sind 1-2 Stunden/ Tag in den sozialen Netzwerken aktiv, andere sogar bis zu 4 Stunden / Tag, wie Nils Lübbehusen, Messdiener aus der Gemeinde St Elisabeth, der die „Interaktivität“ und das „Aufeinander eingehen“ während der Jugendmesse via Facebook lobte.

Kaplan Stephan Markgraf, Jugendbeauftragter der Pfarrei Liebfrauen, bewertete das „Experiment“ ebenfalls als Erfolg, denn es zeige, dass „Kirche die Sprache der Jugend spricht“. In der Lebenswelt junger Menschen spielen soziale Netzwerke, allen voran Facebook, eine wichtige Rolle. Daher ist es aus Sicht von Kaplan Markgraf wichtig, die Jugendlichen auch dort zu erreichen und mit ihnen in Beziehung treten zu können. Ähnlich sieht dies Florian Rommert, Stadtseelsorger des BDKJ, der betonte, dass neue Medien und traditionelle Gottesdienstformen gut zusammenpassen. Jesus hat im Evangelium ausgerufen „talita kum! steh auf“ und dies treffe auch auf soziale Netzwerke zu, da es auch dort darum gehe sich für seine Anliegen einzusetzen, so Rommert weiter.

In einer Frage waren sich die Teilnehmer des „spirituellen Experimentes“ nachher nicht ganz einig: Ob durch neue Medien Gottesdienste „voller“ oder „leerer“ werden? Ein Teilnehmer fragte kritisch an, ob nicht einige Leute zukünftig nur noch „von zu Hause“ teilnehmen und nicht mehr zum Gottesdienst in eine Kirche kommen werden? Ein anderer Teilnehmer betonte stattdessen, dass mehr Besucher als zur „primetime“ in seiner Heimatgemeinde am „Facebook-Gottesdienst“ teilgenommen haben. Bei der Tagung „Kirche im Web“ im März 2012 in Stuttgart war die gleiche These vertreten worden: Durch den Einsatz von sozialen Netzwerken (z.B. Facebook & Twitter) im Gottesdienst kommen bis zu zehn Prozent mehr junger Teilnehmer/innen in die (Jugend-) Gottesdienste.

Der gestrige Facebook-Gottesdienst fand als Kooperation zwischen dem BDKJ-Stadtverband Bochum & Wattenscheid und dem Jugendpastoralen Zentrum der Pfarrei Liebfrauen Bochum („Trinity“) statt. Die kath. Jugend probiert durch Jugendmessen an besonderen Orten (z.B. in einer Straßenbahn) oder mit neuen Formen neue Wege in der Jugendpastoral aus. Ein Ansatz ist dabei die Einbindung sozialer Netzwerke, über die der BDKJ weiter im Gespräch bleiben wird. Denn eine Wiederholung des „Facebook-Gottesdienst“-Experimentes wurde bereits gewünscht.

Zuvor hatte bereits in Köln ein Facebook-Gottesdienst stattgefunden, der im Gegensatz zur Messe in Bochum sogar komplett via live Videostream übertragen worden war.

Quelle: KOMMWIRT/ Christian Schnaubelt

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Über den/die AutorIn

Dipl. Soz. Wiss. Christian Schnaubelt ist Kommunikationswirt und freier Journalist und engagiert sich ehrenamtlich in der Katholischen Jugend

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