Das Sozialwort christlicher Kirchen in Zeiten des Leitmediums Internet - eine erste Projektvorstellung

Durchsichtiges Handy
Andrea Mayer-Edoloeyi
3 April, 2012 - 16:35

KA OÖ und KAB starten ein neues Projekt: Sozialwort 2.0. Es geht um die gesellschaftlichen Herausforderungen der Informationsgesellschaft. Ein erster Einblick. 

Sich verändernde Arbeitsverhältnisse, Neuformation der Privatsphäre, neue Möglichkeiten und neue Ausschlüsse, soziale Bewegungen, die im Internet entstehen - Das alles sind Themen der Informationsgeschaft. In einem Projekt setzen sich Katholische Aktion OÖ (KA) und Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung OÖ (KAB) damit intensiv auseinander. Inhaltlicher Ausgangspunkt ist dabei das Sozialwort der christlichen Kirchen in Österreich. Das ist schon eine Weile her, doch vieles darin ist noch immer aktuell und harrt der Umsetzung. Daran wollen wir auch erinnern. Trotzdem denken wir, dass sich manche Fragen neu stellen, weil durch das allgegenwärtige Leitmedium Internet neue Themen entstanden sind, die sich 2003 so noch nicht gestellt haben. Unser Projekt soll dazu einen kleinen Beitrag leisten und vielleicht ein Impuls sein, sich auch innerhalb der Kirche stärker mit Fragen der Informationsgesellschaft auseinanderzusetzen. Weil es um die Menschen geht. 

Interessant ist das Sozialwort als Hintergrundfolie für unser Projekt aus drei Gründen: 

  1. Diese Stellungnahme der christlichen Kirchen zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen ist partizipativ entstanden. Im Vorfeld fand eine breite Erhebung der sozialen Praxis der Kirchen statt, ein Sozialbericht wurde verfasst. Auf dieser Basis des "Sehens" entstand das Sozialwort. Diese Praxis der Partizipation finden wir vorbildhaft, auch wenn diese konkreten Abläufe heute wohl ganz anderes ausschauen würden. 
  2. Im Sozialwort sind in den einzelnen Themenbereichen nicht nur Aufgaben für die Gesellschaft angeführt, sondern auch Aufgaben für die Kirche. Es ist eine Art Selbstverpflichtung der Kirchen, sich auch im eigenen Bereich sozial und gesellschaftlich zu engagieren. Dieser Grundgedanke prägt auch unsere Herangehensweise ans Thema. 
  3. Das Sozialwort ist Ausdruck einer "Kirche in der Welt", eine Kirche, die die "Zeichen der Zeit" (wie es im II. Vatikanischen Konzil heisst) wahrnimmt. An diesen Geist wollen wir anknüpfen und sehen die Notwendigkeit, dasInternet und die Informationsgesellschaft "im Lichte des Evangeliums" zu deuten und auf dieser Basis Handlungsoptionen zu entwickeln. 

Neben dem Bloggen hier auf Kirche 2.0 - alle Beiträge werden unter der URL http://kirche20.at/sozialwort abrufbar sein - ist ein Videoworkshop am 28. April geplant. Dort wollen wir nicht nur gemeinsam lernen, wie mit einfachen Methoden Videos produziert werden, sondern gleich ganz konkret Videos zum Thema Sozialwort 2.0 produzieren. Diese nutzen wir dann im zweiten Projektteil: Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen am 1. Juni 2012 werden wir das Thema live auf DORF TV gemeinsam mit ExpertInnen diskutieren und dazwischen die vorproduzierten Videos einspielen. Ein Sessel zum Mitreden wird für die BesucherInnen der Langen Nacht der Kirchen frei sein.  

ProjektorganisatorInnen sind Rainer Tüchlberger von der KAB, Markus Luger von den Social Media Guides und ich. Unterstützt wird das Projekt von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung und von DORF TV, dem Community-Fernsehen in Oberösterreich. 

Wir würden uns freuen, wenn Du mit dabei bist. Der Videoworkshop findet am 28. April statt [mehr], die Diskussion ist am 1. Juni [mehr]. 
Hier im Blog werden wir regelmässig über das Projekt und die Themen informieren und dabei einzelne Aspekte zur Diskussion stellen. 

 

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Reaktionen

Sigmar Gabriel (SPD) erinnerte auf dem 98. Katholikentag in Mannheim an das "Gemeinsame Sozialwort der Kirchen in DE" (1997) [1], das damals medial totgelobt wurde und zwischendurch immer wieder in Vergessenheit (Resignation?) geriet.

[1] http://www.ekd.de/EKD-Texte/44676.html

Kann man das nicht aufgreifen, auf Sozialwort 2.0 upgraden und länderverbindend vernetzen?

Ein schöner Gedanke! Auch hier in Österreich ist es so, dass nach den Jahren das wirklich gute Sozialwort der christlichen Kirchen etwas aus dem Blick geraten ist, obwohl genug der dort erhobenen Forderungen an Kirche und Gesellschaft nach wie vor der Umsetzung harren. Vieles ist aber auch einfach gute Praxis - ohne immer expliziten Bezug auf das Sozialwort. Jedenfalls war ein Motiv für uns, das aufzugreifen und das Thema neu zu befragen.
Falls sich diesbezüglich in Deutschland was tut, wäre eine Vernetzung natürlich super!

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